10 Jahre Partnerschaft (Trimelage) mit Jerago con Orago in Chazelles sur Lyon

 

 

Mai 2016

 

Freundschaftbaum für Europa

  

In Dankbarkeit für über 70 Jahre Frieden

zwischen unseren Ländern Frankreich, Italien und Deutschland, in Freude über die Freundschaften zwischen unseren Gemeinden Chazelles-sur-Lyon, Jerago con Orago und Untergruppenbach pflanzen wir heute diesen Freundschaftsbaum aus Anlass der 10-jährigen Partnerschaft mit Jerago con Orago, im steten Bewusstsein, dass es unsere Aufgabe ist, den Frieden zu erhalten.

 

Gestiftet von der Gemeinde Untergruppenbach in Deutschland, Baden-Württemberg

 

  

Besuch in Chazelles zu Himmelfahrt

  

Bei strahlendem Sonnenschein starteten wir am Himmelfahrtsmorgen mit einem vollbesetzten Bus in Richtung Chazelles-sur-Lyon, wo wir im Rahmen des diesjährigen Treffens das 10-jährige Jubiläum der Dreierpartnerschaft mit Jerago con Orago feiern wollten. Die Stimmung war bestens, nicht einmal getrübt, als unserem netten Busfahrer Nico bald das Cola ausging, da er sich in Vorbereitung auf eine Fußballerfahrt einen schönen Biervorrat zugelegt hatte! Vom Rheintal aus konnte man noch den frischen Schnee auf Feldberg und Großem Belchen sehen, die Laubwälder der Franche-Comté zeigten ihr frisches Grün, der Verkehr war (außer auf den LKW-überfüllten Rastplätzen) angenehm ruhig. Karlheinz stimmte die vielen neuen Mitfahrer mit Erklärungen zu Landschaft und Geschichte, zum französischen Fußball usw. auf die kommenden Tage ein. Pünktlich erreichten wir die Partnerstadt, schon erwartet von unseren Gastgebern und einem Teil der italienischen Delegation. Nach der üblich stürmischen Begrüßung und Wiedersehensfreude folgte die rasche Verteilung auf die aufnehmenden Familien. Der erste Abend wurde in den gastgebenden Familien bei leckerem Essen, dem Kennenlernen und wo man sich schon kannte, dem Austausch von Neuigkeiten verbracht.

 

Am nächsten Morgen trafen wir uns im neuerbauten Gymnasium, das seinem Namen „Lycée des horizons“ alle Ehre macht. Sollte der Unterricht nicht so interessieren, kann der Blick weit über das Loiretal zur Montagne de Forez und bis zu den Bergen der Auvergne schweifen. Im Schulhof des in einer ansprechenden Holz- und Glasarchitektur erbauten Gebäudes durften wir das Geschenk unserer Gemeinde pflanzen, unseren „Freundschaftsbaum“, eine Säulenbuche, bunt geschmückt in den Nationalfarben unserer Länder. Hermann Steiner als Vertreter der Gemeinde hielt hierzu eine kleine inhaltsvolle Rede. Ein weiteres Exemplar dieses Baumes erhielten beim Festabend am Samstag unsere italienischen Freunde zur Pflanzung in Jerago. Im nächsten Jahr oder vielleicht schon beim Weihnachtsmarkt werden wir sehen, wie es hoffentlich wächst und gedeiht.

 

Am Nachmittag fuhren wir nach St. Etienne, die knapp 40 Kilometer entfernte Departementshauptstadt, die allen Fußballfreunden bekannt sein dürfte. Im dortigen Musée ART & INDUSTRIE erhielten wir einen Einblick in die Wirtschaftsgeschichte dieser Industriestadt, wo sich auf der Basis der Kohlevorkommen zunächst die Stahlproduktion entwickelte, vornehmlich mit der Herstellung von Waffen. Als in der französischen Revolution die Heiligen vorübergehend abgeschafft wurden, hieß der Ort zeitweilig Armeville (Waffenstadt). Später entwickelte sich eine lebhafte Fahrradproduktion. Neben in großer Stückzahl produzierten Tourenrädern stehen die Rennmaschinen, mit denen Weltrekorde gefahren wurden, aber auch Prototypen, die zeigen, welche Ideen sich nicht durchgesetzt haben; das Hochrad mit dem im Rad sitzenden Fahrer, das Rad mit Arm- und Beinantrieb etc. Im textilen Bereich wurden Stoffbänder, vor allem auf Seidenbasis, hergestellt; da diese heute kein Renner mehr sind, hat sich die Produktion auf medizinische Bandagen und Spanngurte verlagert. Kohlegruben und rauchende Schlote gibt es nicht mehr. Die alten Industriegebäude wurden in Designzentren umgewandelt.

 

Abends trafen wir uns im Veranstaltungsraum Bras de fer – auch mit den inzwischen eingetroffenen restlichen Italienern – zu einem „bunten Abend“. Schon von weitem duftete es nach leckerem Essen. In zwei Riesenpfannen wurde Paella zubereitet, die sich alle wirklich gut schmecken ließen, dazu gab es Sangria als Aperitif. Jung und Alt auf die Tanzfläche brachte eine Zumba-Vor-Tänzerin. Dabei hatten alle viel Spaß.

 

Der Samstag war dem Sport gewidmet. Die jungen Fußballer der C-Jugend der SGM Untergruppenbach-Heinriet, die unsere Gemeinde in jeder Hinsicht vorbildlich repräsentiert haben, spielten mit zwei Mannschaften, zwei italienischen Teams und einer équipe chazellois ein Turnier auf dem Kleinfeld aus. Leider verloren sie das Endspiel gegen körperlich überlegene Italiener mit 3:1, nachdem sie denselben Gegner in der Vorrunde noch mit 2:1 bezwungen hatten. Markus Geistler hat da eine tolle Truppe beisammen, unterstützt von einigen engagierten Eltern. Daneben konnte man sich in Geschicklichkeitsspielen, im Bogenschießen und im Pétanque üben.

 

Den Festabend eröffnete der lokale Chor „Point d’Orgue“ de Chazelles mit französischen Chansons. Es folgten die offiziellen Ansprachen der Gemeindevertreter und der Repräsentanten der Partnerschaftskomitees. Nach dem Beifall zu urteilen hatte Karlheinz mit seiner Rede den meisten Zuhörern aus dem Herzen gesprochen, in der er den augenblicklich durch die dunklen Wolken von Populismus und Terrorismus bedrohten schwierigen Zustand der einst so optimistisch begonnenen europäischen Einigung ansprach. Im weiteren Programm zeigten junge Turnerinnen des VESC Chazelles ihre Künste, unterhielten uns zwei lokale Hip-Hopper, Majoretten aus dem Nachbarort St. Foy d´Argentières und eine portugiesische Musik- und Volkstanzgruppe aus St. Galmier. Lange nach Mitternacht machten wir uns mit unseren Gastgebern auf den Heimweg, denn für 9 Uhr war schon das Treffen für die Rückfahrt angesetzt.

 

Nach großem Verabschiedungsbahnhof, mit Küsschen verteilen, Gruppenfoto und dem in allen Sprachen gemeinsam gesungenen Lied „Nehmt Abschied Brüder“ starteten wir dann auch pünktlich um 9.30 Uhr und erreichten Untergruppenbach nach Zwischenstopps in Besançon und Renchen gegen 19 Uhr. Der Schnee in Vogesen und Schwarzwald war inzwischen geschmolzen, die Mitfahrer waren müde, aber durchwegs begeistert von der Atmosphäre dieser Tage und der Gastfreundschaft, die sie in den Familien erlebt hatten.

Bauen wir gegen alle aktuellen Tendenzen weiter am gemeinsamen Haus Europa, fragen wir die vollmundigen Kritiker, was sie eigentlich wollen und welche Ideen sie für die Zukunft bieten können, fordern wir die Politiker auf, persönliche und parteipolitische Interessen zurückzustellen und die europäische Einheit als einzig tragfähige Perspektive zu begreifen!


Text von Karlheinz Koniczek

 

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