100 Jahre Ende des 1. Weltkriegs:

Eine Gedenkveranstaltung in unserer Partnergemeinde

 

am 11. November 2018

  

Die Präsidenten und Regierungschefs vieler Länder trafen sich am 11.11.2018 in Paris, um des Endes des 1. Weltkriegs vor genau 100 Jahren zu gedenken. Besonders in Frankreich sind die Erinnerungen an diesen Krieg sehr lebendig, für die Franzosen ist es „La Grande Guerre“. Man versteht dies sofort, wenn man sich die Kriegerdenkmäler in französischen Dörfern und Kleinstädten anschaut: Sehr lang sind die Listen der Toten, wie bei uns im Hinblick auf den 2. Weltkrieg. Außerdem hat sich diese erste europäische Katastrophe vornehmlich auf belgischem und französischem Boden abgespielt.

 

So hatte es eine besondere Bedeutung, dass der Bürgermeister unserer Partnerstadt Chazelles-sur-Lyon unseren Bürgermeister zu den dortigen Gedenkfeiern nicht nur eingeladen hat, sondern ihn auch bat, dabei eine Rede zu halten! So brach eine kleine Delegation am Morgen des 10. November auf: Bürgermeister Andreas Vierling, Stettenfels-Schulrektor Markus Nutz und die Vorsitzenden des Partnerschaftsvereins Ellen Mangatter und Karlheinz Koniczek. Die über 700km lange Fahrt führte auch vorbei am Hartmannsweilerkopf, wo damals 30 000 Soldaten den Tod fanden.

 

In Chazelles wurden wir und die italienische Abordnung aus Jerago con Orago im Ratssaal begrüßt. Im anschließenden Vortrag des pensionierten Colonel Jean-Pierre Giraud, organisiert von der PHIAAC, dem Pendant zu unserem Heimatverein, wurden die Kriegsjahre von 1916-18 dargestellt. Wir erhielten da viele neue Informationen, und das Referat erschöpfte sich keinesfalls in der Schilderung militärischer Operationen, sondern zeigte ungeschminkt die Schrecken des Krieges auf. Er ging auch auf das Schicksal einzelner Familien aus der Region ein, die z.B. fünf von sechs Söhnen verloren hatten. Wir steuerten zu den Präsentationen ein Poster mit den Abbildungen der Kriegerdenkmäler in Untergruppenbach und Unterheinriet und einen kleinen Aufsatz mit Reflexionen über die Gedenkkultur zum 1. Weltkrieg in Deutschland bei, was durchaus auf Interesse stieß.

 

Anschließend hatte die Gemeinde zu einem „dinerrépublicaine“ geladen. Wir konnten uns darunter wenig vorstellen und waren etwas überrascht, dass es sich dabei um eine Mahlzeit wie im Besen handelte! Über 200 Personen nahmen in der Mehrzweckhalle an diesem Essen teil, bei dem auch die Nationalhymnen unserer drei Länder und die Europahymne gespielt wurden.

 

Am nächsten Morgen führte uns der Direktor des Chazeller Gymnasiums (Lycée) durch den Ort, ehe man sich wieder im Rathaus traf. Die Herren Bürgermeister Vierling und Aliverti erhielten vom französischen Maire Pierre Vericel die Ehrenmedaille der Stadt.

 

Die Gedenkfeier begann um 10h30 am Kriegerdenkmal am Rande des Stadtparks, der übrigens seit kurzem nach der im letzten Jahr verstorbenen früheren Bürgermeisterin Marguerite Lacroix benannt ist, die sehr viel für die Partnerschaft getan hat und oft in Untergruppenbach war. Der Député (Abgeordnete) der Region verlas die Rede von Präsident Macron, über die ja auch in unseren Zeitungen und Fernsehprogrammen berichtet wurde. Es folgten die kurzen und sehr prägnanten Ansprachen der drei Bürgermeister, in den besonders auf den Weg hingewiesen wurde, den unsere Völker seitdem gegangen sind und auf die Notwendigkeit, die Freiheit und die Demokratie aktiv zu leben und zu verteidigen. Vielleicht war es ein gutes Zeichen, dass während dieser Rede die Sonne hinter den Wolken hervorkam und auch den weiteren Verlauf der Veranstaltung begleitete.

 

Um 11 Uhr läuteten wie am 11.11.1918 und wie überall in Frankreich die Glocken.- Die Feierlichkeiten wurden fortgesetzt mit der Verlesung der Namen der Chazeller Kriegsopfer, und es ist dann schon ein besonderer Moment, wenn immer wieder der oder die Vortragenden z.B.  bemerken: „Das war mein Urgroßvater“. Schüler des Collège (Realschule) hatten zudem die Lebensgeschichte einzelner Opfer herausgearbeitet. Sie hatten auch Friedenstauben gebastelt, die sie am Denkmal aufstellten. Ein Mädchen und ein Junge aus dem Technischen Gymnasium trugen ein selbstverfasstes Friedensgedicht vor. Die drei Bürgermeister legten zusammen ein Blumengebinde nieder, das mit Schleifen der drei Länder geschmückt war. Wir hatten die Aufschrift gewählt „Die Toten mahnen zum Frieden“ – „Les morts exhortent au paix“. Zum Abschluss wurden wieder die vier Hymnen gespielt, die Marseillaise dabei von den Schulkindern gesungen.

 

Im Anschluss hatte die Stadtverwaltung zu einem Empfang im Festsaal des Hutmuseums geladen. Im dortigen Auditorium trug die Gesangsgruppe des PHIAAC „LesFarlots“ Lieder aus jener Kriegszeit vor, begleitet von Bildern von Schlachtfeldern und Friedhöfen.

 

Nach einem kleinen Imbiss ging es auf die lange Heimreise. Wir hatten bewegende Momente erlebt und sind sehr dankbar, dass unsere Partnerstadt das Gedenken in dieser würdevollen Form ausgerichtet und uns dazu eingeladen hat.

 

geschrieben von Karlheinz Koniczek

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